Rudolstädter Arbeitskreis zur Residenzkultur e.V.
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Ziele des Rudolstädter Arbeitskreises zur Residenzkultur
  Ziel des AK ist es, die Residenzen und Höfe vor allem unter kulturgeschichtlichen Aspekten zu untersuchen. Dabei soll ein Kulturbegriff erkenntnisleitend sein, der sich auf die "Repräsentation" von Lebensstilen in schriftlichen, bildlichen, baulichen und im weitesten Sinne künstlerisch gestalteten Formen beziehen läßt.
  Die vielfältige Kultur der mitteldeutschen Höfe prägt häufig noch heute das Erscheinungsbild der ehemaligen Residenzstädte und die ehemaligen fürstlichen Bauten und Gärten auf dem Lande. Und sie bestimmt oft bis in die Gegenwart hinein den Sammlungsbestand der Archive und Museen, die nicht selten aus den fürstlichen Kunstkammern mit ihren jeweils besonderen Schwerpunkten hervorgegangen sind.
  Im Mittelpunkt des Interesses steht die Epoche der Frühen Neuzeit (1450-1800); doch sollen Fragestellungen zum Spätmittelalter sowie zum 19. und 20. Jahrhundert nicht ausgeschlossen bleiben.
  Der AK fördert die Erforschung der Residenzkultur der Neuzeit, wobei der Schwerpunkt auf den geschichtlichen Landschaften liegt, welche heute die neuen Bundesländer umfassen. Historisch betrachtet umfaßt dieser Raum eine weitaus größere Fläche, als der nach den Veränderungen des Jahres 1945 geschichtlich gewordenen Begriff "Mitteldeutschland" oder der überwiegend geographisch verwandte Ausdruck "Nordostdeutschland" bezeichnen kann. Territoriale und kulturelle Gemeinsamkeiten dieser Gebiete kommen am ehesten noch in der altertümlichen, aus dem Verfassungsleben des Alten Reiches stammenden Bezeichnung "Obersächsischer Reichskreis" zum Ausdruck. Der überwiegende Teil der Residenzen lag auf seinem Gebiet bzw. die dort beheimateten Grafen- und Fürstenfamilien gehörten als Kreisstände diesem Reichskreis bis zum Untergang des Alten Reiches an.
  Die in den vergangenen Jahren geführten Diskussionen zu "Hof" und "Residenz" haben wichtige Ergebnisse zu einzelnen Fragestellungen erbracht; doch fehlen bislang Ansätze, die kulturellen Erscheinungsformen der "großen" und der "kleinen" in ihren Abhängigkeitsverhältnissen und Unterschiedlichkeiten genauer zu analysieren. Die Residenzen in Mitteldeutschland bieten dafür ein besonders geeignetes Untersuchungsgebiet, da die hier nachweisbaren kulturellen Aktivitäten zu einer großen Dichte und Vielfalt geführt haben, die letztlich von den Interessen der Kurfürsten, der Herzöge und der Landesherren kleinerer Territorien getragen waren.
  Wichtig sind uns dazu Textquellen (Gelegenheitsgedichte, Gesangbücher, Hofordnungen, Landes- und Stadtbeschreibungen, Libretti, Memoiren, Reiseberichte, Festberichte, Schreibkalender, Tagebücher, Chroniken, Genealogien, Testamente etc.), Bildquellen (Flugblätter, Gemälde, Statuen), architektonische und gartenkünstlerische Quellen sowie andere, für die fürstliche Lebenswelt wichtige Realien (Fahnen, Glocken, Kleider, Münzen, Partituren, Uhren etc.).
  Da sich die ost- wie die westdeutsche Forschung nach 1945 nur für einige wenige mitteldeutsche Höfe interessiert hat, möchte der AK dazu beitragen, diese durch die Residenzorte so entscheidend geprägte Region des Alten Reiches wissenschaftlich aufzuarbeiten. Er unterstützt die Veröffentlichung wissenschaftlicher Unternehmungen wie auch ihre Vermittlung durch Tagungen und Ausstellungen.
  Der AK hat ein großes Interesse daran, seine Aktivitäten einzubinden in die aktuellen, überregional und international diskutierten Fragestellungen zur Residenz- und Hofkultur der Frühen Neuzeit. Er wendet sich dabei nicht allein an die Vertreter akademischer Fächer (Germanistik, Kunst- und Architekturgeschichte, Landesgeschichte, Kirchengeschichte, Sozialgeschichte), er möchte zugleich auch die Forschung in den außeruniversitären Einrichtungen (Archiv, Denkmalpflege, Museum) zur Mitarbeit einladen.