Rudolstädter Arbeitskreis zur Residenzkultur e.V.
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P.M.Hahn/U.Schütte
"Thesen"
1. Pracht und fürstliche "repraesentatio"
2. Deutungsmuster und höfische Lebenswelt
3. Rezeptionsweisen
4. Räumliche Kontexte - Höfische Räume
5. Das lange Ende der höfischen Zeichen
Literaturhinweise
Nächste Mitgliederversammlung
Impressum
Thesen zur Rekonstruktion höfischer Zeichensysteme
 in der Frühen Neuzeit
  1. Das lange Ende der höfischen Zeichen<
    5.1. Das Ende der fürstlichen Herrschaft
    5.2. Semantische Verluste
    5.3. Kritik und neue kulturelle Muster
    5.4. Historismus und höfische Zeichen
    5.5. Höfische Zeichen in der bürgerlichen Moderne
5.2 Semantische Verluste
5.2.1 Bereits in der Frühen Neuzeit konnten höfische Zeichen immer wieder ihren Wert ver-lieren oder auch neu bestimmt werden. Dies läßt sich oftmals als eine Gegenbewegung zum sich mehr und mehr steigernden Innovationspotential der höfischen Lebensformen beschreiben.
5.2.2 Das, was "neu" war und als "Mode" breite Kreise der internationalen Hofwelt erfaßte, wurde spätestens zum Zeitpunkt allgemeiner Akzeptanz stets bedroht von dem, was im Prozeß des Übersteigerns neueste und größte Aufmerksamkeit erregen wollte. Dies betraf die Kleider und Tischmanieren ebenso wie die Inszenierung von Feuerwerken und Festen, die Errichtung von Bauten und die Neugestaltung von Räumen oder die Vorlieben fürstlicher Sammler.
5.2.3 Selbst die allmähliche Verbreitung neuer Zeichen barg schon den Keim semantischer Verluste in sich, da mit der Übernahme des Neuen in der Regel auch dessen Veränderung im Sinne einer Angleichung an regionale und örtliche Traditionen einher ging.
5.2.4 Eine intensive Rezeption höfischer Zeichen garantierte zwar eine allgemeine Anerkenung; doch wurde damit zugleich das Merkmal ästhetischer und sozialer Exklusivität bedroht.
5.2.5 Überdies blieb dasjenige, was als Kopie, Zitat oder Paraphrase an einem vom Ursprungsort des neuen Zeichens entfernt liegenden Hof benutzt wurde, durch das Ge-schick der ausführenden oder ausübenden Künstler und Handwerker ebenso bestimmt, wie durch die Rezeptionsfähigkeit oder -unfähigkeit der mit dem neuen Werk konfrontierten Hofgesellschaft.
5.2.6 Das, was als "Mode eine Vielzahl von Höfen auszeichnete, stand im Laufe der Zeit auch jenen sozialen Gruppen zur Verfügung, deren Lebensstile nicht durch höfische Normen geprägt und geregelt wurden. Denn vieles ließ sich in äußerlich reduzierter Form unter Beibehaltung der funktionalen Elemente auch in anderen sozialen Kontexten mit Nutzen gebrauchen.
5.2.7 Die ehemals einzig dem höfischen Gebrauch dienenden Zeichen standen dann auch den oberen Schichten der Bauern und Bürger zur Verfügung, die in höfischer Zeit gleichfalls Häuser, Möbel, Kleider etc. zur sozialen Distinktion einsetzten.
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