Rudolstädter Arbeitskreis zur Residenzkultur e.V.
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P.M.Hahn/U.Schütte
"Thesen"
1. Pracht und fürstliche "repraesentatio"
2. Deutungsmuster und höfische Lebenswelt
3. Rezeptionsweisen
4. Räumliche Kontexte - Höfische Räume
5. Das lange Ende der höfischen Zeichen
Literaturhinweise
Nächste Mitgliederversammlung
Impressum
Thesen zur Rekonstruktion höfischer Zeichensysteme
 in der Frühen Neuzeit
  1. Das lange Ende der höfischen Zeichen
    5.1. Das Ende der fürstlichen Herrschaft
    5.2. Semantische Verluste
    5.3. Kritik und neue kulturelle Muster
    5.4. Historismus und höfische Zeichen
    5.5. Höfische Zeichen in der bürgerlichen Moderne
5. Das lange Ende der höfischen Zeichen
5.1 Das Ende der fürstlichen Herrschaft
5.1.1 Die Zeit nach 1760 läßt sich als ein ‚langes Ende' der höfischen Zeichenwelt begreifen. Die Aufgabe semiotischer Potenz verband sich nicht mit einem einzigen historischen Ereignis. Zu den Bedeutungsverlusten und Neudefinitionen, die letztlich eine Aushöhlung des ständischen Decorums nach sich zogen, kam es seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
5.1.2 Doch erst mit dem Ende monarchisch verfaßter Staaten im 19. und 20. Jahrhundert erwiesen sich die höfischen Zeichensysteme als nicht mehr für die gesamte Gesellschaft verbindliche Steuerungsmechanismen.
5.1.3 Insbesondere im Gefolge der Französischen Revolution wurde die Zeichenwelt der alteuropäischen Monarchien entzaubert. In deren Verlauf wurden systematisch die Zeichen des französischen Königshauses (Herrscherstatuen, Gebäude, Wappen, Reliquien und vieles andere) zerstört, was im nachhinein die Umsetzung dynastischer Herrschaft durch und über Zeichen nachdrücklich belegt.
5.1.4 Jede Herrschaft bedarf eines kulturellen Rahmens, in dem die jeweilige politische Rhetorik verankert ist. Der völlige Bruch mit der Vergangenheit bzw. die Wiedergeburt der französischen Nation machten daher nach 1789 unter staatlicher Regie die Stiftung und Produktion neuartiger, nicht von der Vergangenheit belasteter Zeichen als Symbole einer neuen Ordnung unverzichtbar.
5.1.5 Mit der Kokarde, der Freiheitsmütze und dem Freiheitsbaum sowie später den öffent-lichen Festen, den neuen Amtstrachten und der allgegenwärtigen Freiheitsgöttin kreierte das revolutionäre Frankreich Zeichen von großer Aktualität und Popularität, welche dank ihrer starken Präsens in der Öffentlichkeit sowohl der Identitätsstiftung dienten als auch den Wandel symbolisierten. Mit der Inszenierung der Freiheitsgöttin erhoffte sich der Konvent, einen Weg gefunden zu haben, den bis dato allgegenwärtigen König als die zentrale Symbolfigur legitimer Herrschaft abzulösen.
5.1.6 Wie selten zuvor wurde den Zeitgenossen die prägende Rolle der Zeichensysteme bei der Wahrnehmung der politischen und sozialen Ordnung bewußt. So kommentierte Henri Grégoire 1795 die Einführung einer Amtstracht: "Die Sprache der Zeichen besitzt eine eigene Ausdruckskraft; Kleidungsunterschiede sind Bestandteile dieses Idioms, denn sie rufen Gedanken und Empfindungen hervor, die ihrem Objekt entsprechen, vor allem wenn sie mit ihrer Lebhaftigkeit von der Phantasie Besitz ergreifen."
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