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Pracht und fürstliche "repraesentatio"
1.1. "repraesentatio" und höfische Zeichen
1.2. Magnifizenz und dynastische Tradition
1.3. Semiotische und ständische Differenzierung
1.4. Produzenten und Rezipienten höfischer Zeichensysteme
1.5. Innovationen
1.6. Produktion und Rezeption neuer Zeichen
1.7. Alte und neue Zeichen
1.8. Zeichenrepertoire und Decorum
1.9. Hofkunst
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1.9.1 Der Lebensstil des Fürsten führte dazu, daß im Grunde kein Bereich des Alltags von dem Verlangen nach Repräsentation ausgespart blieb. Es kam allerdings darauf an, in welchem Maße die Künste und das Handwerk durch "inventio" und "innovatio" diese Erwartung zu erfüllen vermochten. Begleitet wurden diese Vorgänge zumindest partiell von einem forcierten Prozeß technischer Verfeinerung und materieller Differenzierung in Kunst und Handwerk. Die höfischen Zeichen umfaßten schließlich alles, was sich in und durch zeitgenössische Medien darstellen ließ. |
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1.9.2 Mit der latenten Zunahme höfischer Prachtentfaltung, die begleitet war von einer wachsenden Komplexität der Zeichen, verstärkte sich der Innovationsdruck auf deren Produzenten. In dieser Situation bedienten sich viele Fürstenhäuser der Künstler, um ihren Bedarf an prachtvollen Zeichen zu decken und zu erweitern. |
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1.9.3 Diese Hofkünstler bekleideten zumeist noch weitere landesherrliche Ämter, was u. U. ihren Rang bei Hofe erhöhte. So nahm eine Reihe von Baumeistern noch militärische Ämter wahr, deren soziale Bedeutung ungleich höher als die etwa eines fürstlichen Baumeisters zu veranschlagen war. |
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1.9.4 Die Künste als hochkomplexe Zeichensysteme waren an den Höfen nicht autonom, sondern blieben stets abhängig von dem jeweiligen Anlaß ihres Einsatzes. Das "decorum" als eine politisch-rechtliche wie rhetorische Kategorie bestimmte ihre je spezifische For-mung wesentlich mit. Die Modalitäten und programmatischen Festlegungen solcher Nutzanwendungen der Künste regelten zumeist hochrangige Angehörige der höfischen Gesellschaft, welche über umfangreiche fachliche Kenntnisse verfügten und welche sich im Detail durch Hofkünstler beraten ließen. |
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1.9.5 Einer Abhängigkeit von den Auftraggebern stand ein Selbstbewußtsein der Künstler gegenüber, das sich tendenziell aus den höfischer Verwertungsbedingungen zu lösen suchte. Solche Bemühungen um eine Aufwertung und um eine intendierte Freisetzung der Künste, wie es sich immer öfter in dem Selbstverständnis der Künstler und in der frühen Kunsttheorie niederschlug, wurden nicht selten von den fürstlichen Sammlern gefördert. |
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1.9.6 Allerdings läßt sich aus dieser Sicht, die von der Kunst und Kunstgeschichtsschreibung seit dem 19. Jahrhundert verstärkt wurde, kein angemessenes Verständnis von der Prachtentfaltung als eine spezifisch höfische Strategie der Machtausübung im sozio-politischen Raum mittels gestalteter und wahrgenommener Zeichen gewinnen. |
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1.9.7 Allein im Schatten und unter der Protektion des Hofes besaßen die Künstler und Handwerker die nötige Freiheit und Unabhängigkeit, um unter den sozialen und kulturellen Bedingungen der altständischen Gesellschaft schöpferisch und ungebunden tätig zu werden. |
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1.9.8 Dies konnte so weit gehen, daß einzelne Künstler sich Freiräume erwirkten, die es ihnen ermöglichten, ihre Vorstellungen weitgehend unabhängig von den Normen der höfischen Ästhetik zu verwirklichen. Das Oeuvre oder einzelne Objekte mancher Künstler entwickelten sich trotz fehlender unmittelbarer höfischer Nutzanwendung zu Reliquien höfischer Magnifizenz. |
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1.9.9 Objekte von Einzigartigkeit und Schönheit vermochten in seltenen Fällen zur Magnifizenz eines Fürsten beitragen, weil er für sich Kennerschaft als statusbestärkendes und statushebendes Merkmal in Anspruch nahm. Ob ihrer speziellen Fähigkeiten wurden die Produkte solcher Künstler (Virtuosen) von einzelnen Fürsten geschätzt und gesammelt. Soweit es sich um materielle Erzeugnisse handelte, verbrachte man diese bei dauerhaftem Erfolg in die Kunstkammern. |
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1.9.10 Als Orte des Gespräches und familiärer Zusammenkünfte zwischen fürstlichen Kennern wie hochgeschätzten Verwandten und Besuchern besaßen die kostbar ausgestatteten Kabinette oder auch die Sammlungsräume der Schlösser große Bedeutung für den höfischen Lebensstil jenseits der streng reglementierten Verhaltensmuster im Zeremoniell. |
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1.9.11 Solange sich die Künstler in der Regel in die Funktion von Lieferanten höfischer Zeichen versetzt sahen, um kunstexterne Ziele sichtbar zu machen, blieb die Rolle des einzelnen Künstlers vornehmlich auf die Umsetzung seiner handwerklichen Fähigkeiten und auf das Wissen um die Anwendungsmöglichkeiten der einzelnen Künste in spezifisch höfischen Kontexten beschränkt. Dies betraf sowohl die jeweiligen medialen Aspekte (Gattungsmerkmale) wie die Semantik der Zeichen (Ikonographie). |
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1.9.12 Die Wertschätzung einzelner Künstler, wie sie sich in materiellen Belohnungen niederschlug, ist ein Indiz für den Wert ihrer Werke im Kontext der höfischen Prachtentfaltung. Diese Taxierungen entsprechen nicht der Qualifikation der Künstler und Kunstwerke, wie sie in den kulturellen Diskussionen seit 1800 üblich geworden sind. |
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1.9.13 In diesem Kontext sind über den Kreis der Vertreter der schönen Künste (Architektur, Malerei, Zeichenkunst, Bildhauerei) auch die Sänger, Tänzer, Komponisten und Musiker, selbst die Feuerwerker und Reitlehrer einzubeziehen, welche mit ihren besonderen Fähigkeiten ebenfalls den Glanz der Höfe wesentlich zu steigern wußten. |
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