Rudolstädter Arbeitskreis zur Residenzkultur e.V.
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P.M.Hahn/U.Schütte
"Thesen"
1. Pracht und fürstliche "repraesentatio"
2. Deutungsmuster und höfische Lebenswelt
3. Rezeptionsweisen
4. Räumliche Kontexte - Höfische Räume
5. Das lange Ende der höfischen Zeichen
Literaturhinweise
Nächste Mitgliederversammlung
Impressum
Thesen zur Rekonstruktion höfischer Zeichensysteme
 in der Frühen Neuzeit
  1. Pracht und fürstliche "repraesentatio"
    1.1. "repraesentatio" und höfische Zeichen
    1.2. Magnifizenz und dynastische Tradition
    1.3. Semiotische und ständische Differenzierung
    1.4. Produzenten und Rezipienten höfischer Zeichensysteme
    1.5. Innovationen
    1.6. Produktion und Rezeption neuer Zeichen
    1.7. Alte und neue Zeichen
    1.8. Zeichenrepertoire und Decorum
    1.9. Hofkunst
1.7 Alte und neue Zeichen
1.7.1 Die europaweite Verbreitung solcher Zeichensysteme auf der höfischen Bühne wurde dadurch vorangetrieben, daß sie nach allgemeiner Überzeugung für die Aufrechterhaltung eines fürstlichen Habitus als unverzichtbar galten. Ein jeder, der 'dazu' gehören wollte, mußte die Regeln eines ständisch angemessenen Decorums erfüllen.
1.7.2 Trotz europaweiter Popularität höfischer Zeichensysteme zeichneten sich diese aus der Perspektive eines Raumes oder einer Dynastie betrachtet durch jeweilige Besonderheiten aus. Oftmals besaßen sie regional spezifische Züge, so daß diese Codes, um im Bild einer höfischen Zeichensprache zu bleiben, den Charakter eines Dialektes besaßen. Im übrigen entwickelten viele Fürstenfamilien im Laufe der Zeit eigene Traditionen. Ein prägnantes Beispiel bildeten etwa die über Mitteleuropa verstreuten Schlösser der oranischen Prin-zessinnen in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die Merkmale der Prachtentfaltung summierten sich so oftmals zu einem Hausstil.
1.7.3 Es blieb fast jedem Angehörigen des Fürstenstandes - vermutlich in jeder Generation aufs neue - nicht erspart, das eine oder andere höfische Zeichen, welches sich zwischenzeitlich als ein unverzichtbares Merkmal seiner Statusgruppe in einem längeren Ausleseprozeß herauskristallisiert hatte, nach Lage seiner Ressourcen zu übernehmen und an seinem Hof als Norm einzuführen.
1.7.4 Im Laufe der neuzeitlichen Jahrhunderte baute sich ein Mindestrepertoire von Zeichen auf, welches die Magnifizenz des jeweiligen Inhabers anzeigte. Andere Zeichen büßten ihre Ausdrucksfähigkeit ein und wurden immer seltener verwandt.
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