Rudolstädter Arbeitskreis zur Residenzkultur e.V.
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P.M.Hahn/U.Schütte
"Thesen"
1. Pracht und fürstliche "repraesentatio"
2. Deutungsmuster und höfische Lebenswelt
3. Rezeptionsweisen
4. Räumliche Kontexte - Höfische Räume
5. Das lange Ende der höfischen Zeichen
Literaturhinweise
Nächste Mitgliederversammlung
Impressum
Thesen zur Rekonstruktion höfischer Zeichensysteme
 in der Frühen Neuzeit
  1. Pracht und fürstliche "repraesentatio"
    1.1. "repraesentatio" und höfische Zeichen
    1.2. Magnifizenz und dynastische Tradition
    1.3. Semiotische und ständische Differenzierung
    1.4. Produzenten und Rezipienten höfischer Zeichensysteme
    1.5. Innovationen
    1.6. Produktion und Rezeption neuer Zeichen
    1.7. Alte und neue Zeichen
    1.8. Zeichenrepertoire und Decorum
    1.9. Hofkunst
1.2 Magnifizenz und dynastische Tradition
1.2.1 Magnifizenz als ein prägendes Element des Habitus von Herrscherfamilien hatte eine lange, weit zurückreichende Tradition. Bereits in der nikomachischen Ethik des Aristoteles wurde es dem Herrscher als Tugend angerechnet, seine Würde durch Bauten zu demonstrieren. Ähnliches wurde auch im Alten Testament von einem Fürsten erwartet. Die römischen Cäsaren, insbesondere Augustus, haben ebenfalls keine Kosten gescheut, ihre Herrschaft und ihre politischen Ambitionen mit großer Pracht zu visualisieren.
1.2.2 Noch wichtiger für das Verhalten der neuzeitlichen Fürsten erwies sich jedoch der Ritus der katholischen Kirche. Mit der Liturgie verfügte diese über ein aufwendiges 'Drehbuch', um feierliche Handlungen vor und für ein größeres Publikum prachtvoll inszenieren zu können. Die vom hohen Klerus mit Regelmäßigkeit veranstalteten Meßfeiern und Prozessionen boten reiches Anschauungsmaterial dafür, wie öffentliche Abläufe zu vollziehen waren, um den Betrachter durch die Macht der Bilder und Kultobjekte zu überwältigen.
1.2.3 Insbesondere das Papsttum entwickelte bereits im Mittelalter eine Vielzahl aufwendiger und prächtiger Zeremonien, welche sich auch auf seine Herrschaft im Kirchenstaat erstreckten. Vor den Kulissen des antiken Roms gehörten glanzvolle Empfänge fremder Gesandter und kirchliche Prozessionen zum Alltag, dabei verwischten sich in den Augen der Betrachter die formalen Grenzen zwischen feierlichen Handlungen, welche primär kirchlichen, und solchen, welche primär weltlichen Charakter trugen, d.h. Verhaltensmuster und Gegenstände aus dem kirchlichen Kultus wurden allmählich in weltliche Attribute der Herrschaftsdemonstration überführt.
1.2.4 Diesem Prozeß konnten und wollten sich die Fürsten, welche ihr Regiment ebenfalls von Gottes Gnaden ausübten, nicht entziehen, um ihr fest verwurzeltes Bedürfnis nach Repräsentation und Demonstration personaler Herrschaft zu befriedigen. Da eine Herrschaft, die sich eines umfangreichen Repertoires von Zeichen bediente, durch den Ritus der Kirche bereits tief in den Alltag der Menschen eingedrungen war, lag es für die Fürsten nahe, sich an diesem vorgeprägten Zeichengebrauch auch zu orientieren.
1.2.5 Das lang wirkende kirchliche Vorbild hatte insbesondere dafür gesorgt, daß die tief sitzenden mentalen Mechanismen, welche mit der Präsentation zeichenhafter Handlungen beabsichtigt waren, den Zeitgenossen wohl vertraut waren. Dies betraf vor allem die bei der visuellen, akustischen oder haptischen Wahrnehmung der Zeichen beabsichtigten Konnotationen (Aufmerksamkeit, Ehrfurcht etc.).
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